Zum Beispiel Melanie
...am Ziel!
Ein Bericht über die schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen der Flex-Fernschule im Jahr 2009
Am Start waren ungefähr 65 Jugendliche aus allen Teilen Europas und sogar aus der ganzen Welt. Ob aus Portugal, Spanien, Australien, Polen oder aus den tiefen Bayerns, fast jeder hatte eine weite Anreise. Doch es würde sich lohnen, sollte doch am Schluss der Hauptschulabschluss winken.
Deshalb war die Aufregung auch groß, als die schriftlichen Prüfungen anstanden. Schon Wochen davor wurden Überlegungen angestellt, Noten ausgerechnet oder einfach versucht das Bevorstehende zu verdrängen. Spätestens bei der Anreise sollte dann doch die Gewissheit Einzug nehmen, dass alles wirklich bald beginnt. Gestartet wurde, wie überall in Baden-Württemberg, mit der schriftlichen Deutschprüfung. Wir hatten Glück, denn das Thema „Mauerbau und Mauerfall“ war gut, und so waren die 150 Wörter schnell geschrieben und die Pflicht damit getan, die Kür folgte sogleich, denn viele schrieben natürlich mehr als die vorgeschriebene Anzahl von Wörtern. Auch die Fragen zu verschiedenen Texten waren schnell beantwortet, hatten wir dies doch hundertmal im Vorfeld geübt. Mittags war dann schon die erste Prüfung überstanden, und es gab ein paar Tage Pause, bis Mathematik rief. Diese Rufe hätten wohl viele gerne überhört, doch die Angst vor „dem schlimmsten Fach überhaupt“, war bei vielen unbegründet. Und ehe man sich versah, war auch diese Prüfung um. Dann folgte bei mir die Präsentationsprüfung. Nach wochenlanger Beschäftigung mit einem Thema unserer Wahl sollten wir eine Präsentation darüber halten. Nach ca. einer halben Stunde war auch das vorbei. Der nächste Tag gehörte dann voll und ganz dem Thema Politik. Angela Merkel wäre stolz auf uns gewesen, hätte sie erlebt wie wir über China, Versicherungen und dergleichen schwitzten. Und wie die anderen Tage, ging auch dieser Tag um. Englisch sollte nun den Rahmen schließen, der mit Deutsch vor einigen Tagen begann. Wieder war es eine leichte Prüfung, und mit dem Ende der schriftlichen Prüfungen vor Augen gaben viele noch einmal alles und dachten sich wohl innerlich „Yes, I can“. Kaum zu fassen, aber nun waren die schriftlichen Prüfungen vorbei. Auf der Heimreise wurden wie auch auf der Anreise Noten ausgerechnet und gezittert, auch hier schloss sich der Rahmen.

Melanie ist am Ziel: Mit sehr guten Ergebnissen hat sie die Prüfungen zum Hauptschulabschluss am 10. Juli 2009 abgeschlossen. Mit ihr freuten sich Mama, Papa, Hündin Cosima und Flex-Leiter Thomas Heckner.
Aber schon geht es für Melanie weiter. Jetzt möchte sie den Realschulabschluss anstreben.
Melanie ist am Start!
Nach einer kurzen Pause, begannen die allseits gehassten und mit Angst erwarteten mündlichen Prüfungen. Jeder Schüler hatte im Vorfeld einen Plan bekommen, auf dem der Ablauf zu sehen war. Für mich bedeutete es, dass mein Lieblingsfach Englisch den Anfang machen sollte. Mit zitternden Knien ging ich in Frau Fetzers Büro und erzählte ihr und der Prüferin von einer anderen Schule etwas über meine Lieblingsinsel in Kroatien. Auch das Fragen stellen, und die Fähigkeit zu übersetzen wurden geprüft. Nach knapp 20 Minuten war es schon vorbei und ich hatte meine erste 1 auf dem Zeugnis stehen. Nach Deutsch kam dienstags Deutsch. Die 20 Minuten, die wir bekamen, um einen Text zu lesen, ließen den Adrenalinpegel noch einmal kräftig steigen. Doch halb so schlimm, mit zwei supernetten Prüfern, hatte ich wohl das richtige Los gezogen. Herr Pottbäcker und ein fremder Prüfer holten alles aus mir heraus was ging, und so stand meine zweite 1 auf dem Zeugnis. Noch zwei Prüfungen sollten nun folgen. Politik sollte beginnen. Herr Liebenau, und wie gewohnt ein fremder Prüfer, luden mich ein, um über Europa, den Bundestag und die Welt zu sprechen. Mit einer 2 beendete ich auch diese Prüfung zu meiner Zufriedenheit. Nun war es nur noch Mathe, dann würde es tatsächlich vorbei sein. Donnerstags holte mich Frau Seibold in ihr Büro, und welch Überraschung, ein fremder Prüfer erwartete mich. Nach einem kurzen Black-out zu Beginn konnte ich doch noch zeigen was in mir steckt, und auch diese 2 war mir sicher. Es war vorbei, endgültig. Mit Vorfreude auf die Zeugnisübergabe schlief ich an diesem Tag gut ein.
Nun war es soweit, am Freitag, den 10. Juli um 14 Uhr sollte die Feier beginnen. Der Parkplatz vor der Tuniberghalle in Oberrimsingen füllte sich langsam und wir begaben uns in die feierlich hergerichtete Halle. Genügend Platz war für alle Schüler, Eltern, Lehrer, Begleitpersonen und auch einige Ehrengäste vorhanden. Im Hintergrund lief Musik, die mir persönlich einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Queen - We are the Champions. Genauso fühlte ich mich, ein Gefühl, das ich bis jetzt noch nicht sehr oft hatte. Nach 2,5 Jahren ohne Schule, mit keinem Ziel vor Augen, sollte ich es nun geschafft haben. Ich, und die anderen Schüler, wir hatten unser Ziel erreicht. Herr Heckner eröffnete pünktlich die Feier, und begrüßte fast jeden einzeln, gefolgt von viel Applaus. Nach den Ehrungen folgte das Highlight. Die Zeugnisübergabe. Die jeweiligen „Klassenlehrer“ übergaben die Zeugnisse auf der Bühne an ihre Schützlinge. Ein Gruppenfoto von allen Absolventen sollte den offiziellen Teil beenden. Bei Kuchen und Häppchen ließ man das Vergangene ausklingen.
Ich möchte meinen Bericht beenden mit einem großen Dank an das ganze Flex-Team. Was Sie alle in der letzten Zeit geleistet haben, ist unbezahlbar. Der Lohn für diese harte Arbeit stand heute auf der Bühne, über 60 glückliche Jugendliche mit einer Zukunft. Einer Zukunft, die ohne Flex keine wäre. Wie Herr Heckner sagte: Wir sind nicht am Ziel, wir sind...
...am Start!
Hier geht's zur Bildergalerie zum Schulabschluss 2009:
Zum Beispiel Steve
Steve Schmidt hat im Juni 2008 zusammen mit 50 anderen Flex-Schülern seinen Hauptschulabschluss mit guten Ergebnissen erreicht. Heute
besucht er eine Handelsschule in Homburg. Über seine Zeit in einer individualpädagogischen Maßnahme in Portugal hat er eine
Homepage erstellt. Diese war auch Teil seiner Präsentations-Prüfung, die er im übrigen mit einer 1 abgeschlossen hat.
Auf seiner Hompage lässt er den Besucher nachempfinden, wie er in Sao Bras de Alportel und in Vale do Telha gelebt hat. Er
berichtet natürlich auch über das Lernen mit Flex.
Rechts im Bild:
Da büffelt der heutige Handelsschüler noch für den Schulabschluss.
Zum Beispiel Viktoria
Eigentlich ist Viktoria eine ganz normale Flex-Schülerin.
Und dennoch ist sie eine ganz Besondere. Sie ist nämlich die 500-ste, die mithilfe der Flex-Fernschule wieder zu einer Anschlussperspektive gefunden hat. Anlässlich der Jubiläumsfeier zum 10-jährigen Bestehen der Flex-Fernschule mit anschließender Zeugnisübergabe erhielt sie aus den Händen des Direktors des Diözesancaritasverbandes, Monsignore Bernhard Appel ein Präsent.
Spontan ging Viktoria ans Mikrofon, um Danke zu sagen.
Diesem Dankeschön an die vielen Begleitpersonen, die im Hintergrund großartige Arbeit leisten, möchten wir uns gerne anschließen.
Hören wir einmal rein:
Zum Beispiel Ojun
Ojun hat 2003 ihren Abschluss mit der Flex-Fernschule gemacht. Das war für sie damals die Voraussetzung, um eine Ausbildung als Masseurin und medizinische Bademeisterin zu absolvieren.
Seither hat Ojun ihre berufliche Weiterbildung völlig unabhängig von Institutionen selbst organisiert. Auf der ganzen Welt hat sie sich die besten Ausbildungsplätze in unterschiedlichen Massagetechniken und Heilverfahren angeeignet. Als heißbegehrte Fachkraft kann sie sich ihre Arbeitsplätze rund um den Globus in den besten Häusern aussuchen. Irgendwann, sagt sie, wird sie vielleicht noch ein Studium anhängen. Am liebsten natürlich ein Fernstudium.
Zum zehnjährigen Jubiläum ist Ojun eigens aus Berlin angereist, um aus der Perspektive einer Schülerin zu berichten.
"He ja, steh auf, ich hab Bock auf's Leben!"
Diesen Redebeitrag sollten Sie sich anhören!
Zum Beispiel Bastian

Nachdem Bastian seinen Schulabschluss geschafft hatte, absolvierte er eine Lehre als Koch. Er hat eine gute Arbeit und steht mit beiden Beinen im Leben. Irgendwann erinnerte er sich an seine alte Schule und es erreichte uns folgende Mail:
"Hallo Flex-Team,
dank euch ist es mir möglich geworden nach meinem Abschluss im Sommer 2003, nach einer schweren Zeit für mich, wieder in ein
neues Leben zu beginnen! Durch die sehr gute Unterstützung der Flex Fernschule ist es mir gelungen meinen Schulabschluss zu
schaffen und noch am 1.August 2003 eine Ausbildung zum Koch zu beginnen, welche ich im Sommer 2006 mit Erfolg abschlossen
habe! Der Schulabschluss bei der Flex Fernschule war dazu ein entscheidender Grundstein, ohne den der Rest nicht möglich gewesen
wäre! Dafür möchte ich mich im Nachhinein noch einmal ganz herzlich beim ganzen Flex-Team bedanken."
Das war natürlich eine erfreuliche Überraschung und eine schöne Nachricht obendrein. Wenige Zeit später besuchte uns Bastian am Stand der Flex-Fernschule auf dem Deutschen Jugendhilfetag in Essen. Das Bild zeigt ihn zusammen mit dem (maskierten) Flex-Lehrer Michael Fries.
Zum Beispiel Ramona

Ramona Knapstein aus Viersen hätte nicht geglaubt, dass Lernen auch Spaß machen kann. In schwierigen sozialen Verhältnissen groß geworden, fiel sie schon im Kindergarten durch aggressives Verhalten auf, und Schule war für sie ein Ort des Versagens.
"Ich schwänzte die Schule, war selten zu Hause und nahm alle Drogen quer durchs Alphabet", erzählt Ramona. Doch sie entschied sich, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben: Mithilfe des Jugendhilfe-Projektes "Husky" in Schweden schaffte sie es, ihrem Leben eine Wende zu geben und holte bei der Flex-Fernschule ihren Hauptschulabschluss nach.
Im Jahr 2004 wurde sie durch das Bundesbildungsministerium als "Fernschülerin des Jahres" ausgezeichnet.
Im Bild links: Staatsminister Wolf-Michael Catenhusen überreicht Ramona die Urkunde.
