Ein Feature von Carol Lupu für den Deutschlandfunk
Er ist als ein ganz normales Kind auf die Welt gekommen - völlig gesund.
Er sieht attraktiv aus - 20 Jahre alt, schlank, schwarzes Haar, südländisch.
Hören Sie einfach mal rein:
Oder wollen Sie das Feature lieber später offline hören?
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10 Jahre Flex-Fernschule
Vor 10 Jahren fiel der Startschuss – Thomas Heckner, Gründer und Leiter der Flex-Fernschule wirft einen Blick zurück … und gleich mehrere nach vorn.
Gründer und Leiter von Flex
Es begann mit einer kleinen Unaufmerksamkeit. Statt dem Vortrag auf einer Tagung zum Thema „Straßenkinder in Deutschland“ zu folgen, kritzelte ich auf einmal eine Glühbirne an den Rand meines Blocks und notierte meinen Geistesblitz: Manchmal ist das Leben junger Leute mit dem Besuch einer Schule einfach nicht vereinbar. Man müsste also das Lernen für einen Schulabschluss so organisieren, dass es auch unter schwierigen Bedingungen gelingt. Es müsste ein individueller Weg sein. „Die Schule“ müsste zum Schüler kommen …
Zehn Jahre später hat sich „die Schule“ mehr als 750 Mal zum Schüler aufgemacht. Knapp 250 Jugendlichen aus ganz Deutschland rücken die Lehrkräfte von Flex zurzeit regelmäßig mit neuen und mit korrigierten Lernbriefen, mit Schulbüchern, Lernsoftware, Anrufen, Mails oder SMS auf die Pelle, um das zu erreichen, was für 500 junge Leute schon Wirklichkeit geworden ist: Ein Schulabschluss oder die Rückkehr in die Regelschule. So oder so, der Anschluss ist geschafft!
Die Absolventen der Flex-Fernschule dürfen wirklich stolz auf ihre Leistung sein. Denn sie haben mit sehr viel Eigenmotivation immer wieder „den inneren Schweinehund“ niedergekämpft und auf das selbst gesteckte Ziel hin gearbeitet. Stolz sein dürfen auch die vielen fleißigen Helfer im Hintergrund: Eltern, Betreuer, Mitarbeiter von Jugendhilfeeinrichtungen und Jugendämtern oder Arbeitsagenturen, aber auch Freunde, Bekannte und Verwandte, die als Lernhelfer zur Seite standen. Sie haben den Rahmen gewährleistet, finanziert, motiviert und geschubst, erklärt und geübt, Vokabeln abgehört und vielleicht im Rollenspiel für die mündliche Prüfung trainiert.
(Eindruck von den Schülerbildern in den Fluren von Flex - kein Ton)
Zahlreiche Heldengeschichten verbinden sich mit den vielen, vielen Fotos der Lernenden, an den Wänden der Flex-Fernschule – ein jedes in einem anderen Rahmen, weil jeder anders ist und weil jeder eine eigene Geschichte, seine persönlichen Stärken und Schwächen mitbringt. Diese Individualität wird bei Flex – anders als es im Regelschulbetrieb möglich ist – groß geschrieben. Die jungen Menschen fühlen sich ernst genommen. Sie erhalten effektive Unterstützung ohne dies als übermäßigen Eingriff in ihre Lebensführung zu erleben.
ein großes Paket mit Lernunterlagen.
Ob das hinreichend motiviert?
Hartmut von Hentig hatte der Flex-Fernschule im Oktober 2007 einen Besuch abgestattet und sich umfassend über Hintergründe, Arbeitsweise und Ergebnisse der Arbeit informiert. „Sie müssen ihre Bildungstheorie formulieren und die Ergebnisse noch stärker evaluieren und dokumentieren!“, hatte der Altmeister der Reformpädagogik in Deutschland den Kolleginnen und Kollegen an der Flex-Fernschule ins Stammbuch geschrieben. „Sonst bleibt es bei netten Geschichten.“ Hartmut von Hentig hat mit diesem Appell einen Schwerpunkt für die kommenden zwei bis drei Jahre definiert. Wir werden eine umfassende Befragung unter allen bisherigen Schülerinnen und Schülern und deren Begleitpersonen durchführen. Wir werden die Ergebnisse in Bezug setzen zu den gängigen Konzepten der Bildungsarbeit mit sozial Benachteiligten. Die Ergebnisse werden wir vor dem Hintergrund verschiedener Beziehungs- und Bildungstheorien reflektieren und publizieren.
Weitere Schwerpunkte der Entwicklung werden die Umsetzung der zweiten Länderniederlassung in Bayern und die Qualifizierung
unserer Lernhilfe für den Realschulabschluss sein. Flex-Bavaria realisieren wir in Kooperation mit dem bayerischen Kulltusministerium
und dem Don-Bosco–Jugendwerk in Bamberg. Weitere Bundesländer sollen folgen.
An die Entwicklung des Lehrwerks für den Realschulabschluss legen wir hohe Maßstäbe an. Wichtigste Kooperationspartner sind
hier zurzeit die Jugendlichen selber, die sich mit uns auf den Weg der Entwicklung begeben haben. Von Ihnen erhalten wir wertvolle
Rückmeldungen für eine effektive Gestaltung des Angebotes.
Besonderer Dank gilt an dieser Stelle auch unseren Förderern, die durch großzügige Zuwendungen die ersten Schritte zu einem Realschullehrwerk ermöglicht haben:
- Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg e.V.
- Stiftung Leuchtfeuer, Köln
- Stiftung der Landesbank Baden-Württemberg, Stuttgart
Für diese sehr ehrgeizigen Ziele suchen wir dringend weitere Förderer, die uns auf dem Weg dorthin unterstützen möchten.
